Entwicklung und Ausbreitung
Die Erstbesiedelung eines Baums erfolgt meist durch Vögel, die sich im Winter an Mistelfrüchten bedienen. Die klebrigen Samenkerne bleiben häufig am Schnabel oder Gefieder hängen und werden auf diese Weise oder mit dem Vogelkot auf die Äste benachbarter Bäume getragen.
Die Mistelsamen keimen und treiben eine Senkwurzel in den Ast, die den Mistelkeimling auf dem betroffenen Ast fixiert und mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Nach zwei bis drei Jahren bilden sich aus der Senkwurzel beidseitig Wurzelstränge unter der Rinde des Astes. Aus den Seitensträngen brechen neue Mistelbüsche durch die Rinde und es entstehen ausgedehnte Mistelkolonien auf dem betroffenen Ast.
Nach einigen Jahren blühen und fruchten die Mistelbüsche. Im Frühjahr platzen die Beeren auf und das klebrig, zähe Fruchtfleisch bildet lange Fäden, an denen die Mistelsamen kleben. Auf diese Weise „tropfen“ die Mistelsamen in tiefere Kronenbereiche und bleiben an der Basis von Leitästen und am Stamm kleben. In kurzer Zeit kommt es zu einer explosionsartigen Mistelausbreitung innerhalb der Baumkrone.
Die Mistel als immergrüner Halbparasit bildet zwar eigene Assimilate, entzieht dem Baum aber Wasser, Nährstoffe und nach neuesten Untersuchungen auch Reservestoffe. Ein massiver Mistelbefall erhöht die Gefahr von Astbruch und Windwurf bei befallenen Bäumen. Der ständige Wasser- und Assimilatentzug – auch im Winter – schwächt den Baum und führt letztlich zu einem vorzeitigen Absterben.
Zitiert mit freundl. Genehmigung von Bernhard Reisch




